Ich mag keine schweren Spiele. Das Fehlen von manuellem Speichern, eine zu niedrige Lebensanzeige, komplizierte Steuerungen und allzu mächtige Gegnerscharen sind mir ein Graus, der Easy-Mode bei neu gekauften Spielen dagegen meine große Rettung. Wenn ich ein Level zum zehnten Mal wiederholen muss und dann kurz vorm Ende trotzdem wieder sterbe, kann mich auch eine gute Handlung nicht vom Weiterspielen überzeugen. Und ja, ich rede da von euch, The Last Of Us und Uncharted. In meiner Gaming-Karriere habe ich exakt ein Spiel auf der höchsten Schwierigkeitsstufe gespielt und das auch nur, weil Dragon Age: Inquisition den Soundtrack des Jahrtausends besitzt und im Nightmare-Modus sowieso alles noch viel epischer ist. Viel schlimmer ist meistens dann aber doch der Endboss – wo ist ein „Skip Fight“-Button, wenn man ihn mal braucht? Es gibt zwei Spiele, bei denen ich unzählige Male gnadenlos beim finalen Kampf gescheitert bin: The Legend of Zelda – Twilight Princess und Risen.

Quer durch Hyrule und wieder zurück

The Legend of Zelda – Twilight Princess war schon immer eines meiner liebsten Spiele. 2007 durfte es zusammen mit einer brandneuen Wii bei mir einziehen und hatte bereits nach ein paar wenigen Spielstunden mein Herz im Sturm erobert. Als Protagonist Link sind wir ein einfacher Ziegenhirte aus Ordon und finden uns plötzlich in einem Krieg gegen das Schattenreich und dessen Herrscher Zanto wieder. Zusammen mit der mysteriösen Midna müssen wir mal als Wolf und mal als wir selbst versuchen, das Licht nach Hyrule zurückzubringen, die verschiedenen Völker des Landes zu befreien und herauszufinden, was es mit der „Prinzessin der Dämmerung“ eigentlich auf sich hat.

Ich hatte den Spaß meines Lebens daran, zusammen mit Link und Midna durch Hyrule zu streifen, gefangene Lichtgeister zu befreien und nach einer gefahrenvollen und kräftezehrenden Suche endlich das sagenumwobene Masterschwert in den Händen zu halten. Manche Spielmechaniken fand ich damals etwas schwierig, aber alles in allem kam ich gut damit klar und fühlte mich, als ob ich in all den Spielstunden langsam aber sicher zusammen mit Link zur Heldin wurde – und dann kam der Endboss. Wir kämpfen zuerst gegen eine besessene Prinzessin Zelda und schließlich gegen Ganondorf selbst, der wenig überraschend hinter allem steckte. Und Leute, ich bin an diesem Kampf verzweifelt. Egal was ich tat, ich konnte die beiden nicht besiegen, konnte keinen Weg finden, Link am Leben zu erhalten und die Verteidigung meiner Gegner zu durchbrechen.

Also gab ich irgendwann frustriert auf und nahm mir vor, zuerst noch ein paar Herzcontainer suchen zu gehen, um so vielleicht besser für den finalen Kampf gewappnet zu sein. Daraus wurden schließlich Stunden, Tage, Wochen, die ich mit dem Durchstreifen von Hyrule verbrachte – nur noch schnell ein bisschen mehr Leben sammeln gehen, dann auf jeden Fall zurück zum Endboss! Ich half den Zora dabei, mit dem Verlust ihrer Königin zurechtzukommen, badete zusammen mit neugewonnenen Freunden in den heißen Quellen der Goronen, sammelte Rubine, um mir eine meisterhafte Rüstung leisten zu können und wurde in den Schneebergen zur Snowboard-Meisterin.

Nachdem ich sämtliche Nebenquests erledigt hatte und es in ganz Hyrule absolut nichts mehr zu entdecken gab, hätte ich mich wohl wieder Ganondorf widmen sollen – stattdessen fing ich das Spiel einfach wieder von vorne an. Und nochmal. Und nochmal. The Legend of Zelda – Twilight Princess gehört zu den zwei Spielen, die ich auch heute immer noch auswendig kann, da ich sie monate- und jahrelang immer und immer wieder neu begonnen habe.

Von Tempelruinen und Titanen

Das zweite dieser Spiele ist Risen aus dem Jahr 2009. Wir stranden als namenloser Held auf einer Insel, die von drei Fraktionen beherrscht wird: den Magiern, den Kriegern der Inquisition und den Banditen. Nach dem Verschwinden der Götter sind seltsame Ruinen aus dem Boden aufgetaucht und die Insel wird von furchtbaren und tödlichen Kreaturen bevölkert. Es ist nun unsere Aufgabe, uns einer der drei Fraktionen anzuschließen und mithilfe des Titanenlords Ursegor den Feuertitanen zu besiegen, der die Insel bedroht.  Wie schon bei The Legend of Zelda – Twilight Princess habe ich Risen nie zu Ende gespielt; der finale Bosskampf hat mich jedes Mal unendlich frustriert und mir jedes Interesse am Ausgang der Handlung genommen. Stattdessen habe ich auch hier lieber noch ein bisschen die Insel erkundigt, meine Fähigkeiten ausgebaut, ein paar schmierige Nebencharaktere eingeschüchtert und in düsteren Ruinen nach verlorenen Schätzen und Artefakten gesucht. Irgendwann wusste ich bei Risen genau, welche Quest und Storyline ich wann und wie erledigen musste, um die optimale Anzahl an Erfahrungspunkten und das bestmögliche Ergebnis für die Handlung zu erhalten; konnte die Dialoge der NPCs quasi mitsprechen und die Rätsel in den Tempelruinen im Schlaf lösen.

Obwohl ich beide Spiele nie beendet habe, gehören sie bis heute zu meinen absoluten Favoriten. Vielleicht liegt es gerade daran – die meisten Spiele sind für mich nach dem Ende der Haupthandlung abgeschlossen und übrig gebliebene Nebenquests somit sinnfrei. Bei Risen und The Legend of Zelda – Twilight Princess jedoch hatte ich nie ein definitives Ende und konnte die Welten beider Spiele immer weiter erkunden. Ohne diesen Abschluss hatte ich zudem das Gefühl, beim erneuten Spielen eben noch nicht alles gesehen zu haben; es gab immer mehr, mehr, mehr. Ich mag bei beiden Spielen wohl gescheitert sein – aber das macht nichts, da mir gerade dieses Scheitern zwei der schönsten Gaming-Erfahrungen überhaupt beschert hat und ich mir sicher bin, dass meine Liebe für RPGs ohne sie heute längst nicht so groß wäre.

Wenn Der Endboss Warten Muss_ Cover des Spiels Risen
Titelbild des Spiels „Risen“ von Piranha Bytes

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