The Lady's Guide to Petticoats and Piracy

“No,” he says. “I just wish you had someone cheering for you all the time, because you deserve it.”

Inhalt: A year after an accidentally whirlwind grand tour with her brother Monty, Felicity Montague has returned to England with two goals in mind—avoid the marriage proposal of a lovestruck suitor from Edinburgh and enroll in medical school. However, her intellect and passion will never be enough in the eyes of the administrators, who see men as the sole guardians of science. But then a window of opportunity opens—a doctor she idolizes is marrying an old friend of hers in Germany. Felicity believes if she could meet this man he could change her future, but she has no money of her own to make the trip. Luckily, a mysterious young woman is willing to pay Felicity’s way, so long as she’s allowed to travel with Felicity disguised as her maid. In spite of her suspicions, Felicity agrees, but once the girl’s true motives are revealed, Felicity becomes part of a perilous quest that leads them from the German countryside to the promenades of Zurich to secrets lurking beneath the Atlantic.

The chairman tosses his cloak over his shoulders and gives me a smile that he likely thinks is kind, but is, in fact, the smirk of a man about to explain something to a woman that she already knows.

2018 war, was Bücher angeht, bisher ein sehr gutes Jahr. Im Sommer waren ein paar Fehlgriffe dabei, aber seitdem habe ich quasi nur absolute Highlights gelesen und meine letzten sieben Bücher auf Goodreads durchgehend mit fünf Sternen bewertet. Normalerweise macht mich so etwas eher skeptisch und ich bin dann eher dazu geneigt, das nächste anzufangende Buch, hier in diesem Fall The Lady’s Guide to Petticoats and Piracy von Mackenzi Lee, kritischer zu bewerten. Aber naja, was soll ich sagen – irgendwie ist mir dieses Mal das Gegenteil passiert. Obwohl ich noch all diese tollen und überragenden Bücher im Kopf hatte, brauchte es nur ein Kapitel, bis ich mich Hals über Kopf in Protagonistin Felicity verliebt hatte. Jetzt, nach Beenden der gesamten Geschichte, bin ich durchaus dazu bereit, bis ans Ende meines Lebens allen Menschen neben Crooked Kingdom nur noch The Lady’s Guide to Petticoats and Piracy zu empfehlen. Denn, mir fällt einfach kein besserer Ausdruck dafür ein, holy shit ist dieses Buch grandios.

“Everyone wants things,” Monty says. “Everyone’s got a hunger like that. It passes. Or it gets easier to live with. It stops eating you up inside.”
I scrunch my nose and sniff. Maybe everyone has hunger like this – impossible, insatiable, but all-consuming in spite of it all. Maybe the desert dreams of spilling rivers, valleys of a view. Maybe that hunger will one day pass.
But if it does, I will be left shelled and halved and hollowed out, and who can live like that?

Zugegeben, das kam nicht sonderlich überraschend, denn schon die Vorgeschichte The Gentleman’s Guide to Vice and Virtue hat mich völlig von den Socken gehauen und hatte mit Felicitys Bruder Monty einen wunderbaren und unglaublich echten Hauptcharakter. Es ist kein Muss, dieses Buch gelesen zu haben, hilft aber enorm dabei, den Charakter von Felicity und die Situation, in der sie sich am Anfang von The Lady’s Guide to Petticoats and Piracy befindet, nachzuvollziehen. Wie immer möchte ich hier nicht zu viel spoilern oder den Großteil der Handlung vorwegnehmen, deswegen verweise ich euch hier einfach mal auf den Klappentext, der die Rahmenhandlung eigentlich sehr schön zusammenfasst.

“You’re trying to play a game designed by men. You’ll never win, because the deck is staked and marked, and also you’ve been blindfolded and set on fire. You can work hard and believe in yourself and be the smartest person in the room and you’ll still get beat by the boys who haven’t two cents to rub together.”

Unsere Gesellschaft hat ein Sexismus-Problem. Misogynie, also der krankhafte Hass gegenüber Frauen und die ihnen entgegengebrachte dementsprechende Verachtung, ist kein neues Phänomen, sondern traurigerweise schon seit Langem etwas, das alle Frauen beeinflusst. The Lady’s Guide to Petticoats and Piracy betont dies immer und immer wieder, macht deutlich, wie sehr Felicity und die anderen weiblichen Charaktere im achtzehnten Jahrhundert um ihre Selbstbestimmung kämpfen müssen und dann doch jedes Mal an der durch die Gesellschaft suggerierten Schwäche ihres eigenen Geschlechts scheitern. Es hat mich wütend gemacht, so unglaublich wütend, zu lesen, wie Felicity von jeder Universität abgewiesen wird, wie man es ihr verweigert, Medizin zu studieren, wie sie für ihre Ambitionen ausgelacht wird und niemand sie ernst nimmt. Wie Frauen in eine Heirat gedrängt werden, die sie eigentlich gar nicht wollen, wie von ihnen erwartet wird, ihre eigenen Wünsche und Ziele und Hoffnungen zu begraben, wie sie Platz machen und nicht nach Mehr streben sollen.

“I’m sorry,” I say, and I hate that I am apologizing to him when it is he who kicked me, he who has made me feel that I’m in the wrong for daring to ask for something. Not even something – for anything. He has me apologizing for asking for the minimum that is granted to most men.

Aber es geht nicht nur um den Sexismus von außen, sondern auch um sogenannte internalisierte Misogynie – also um Frauen, die Vertreter ihres eigenen Geschlechts als „schwach“ oder „falsch“ ansehen. Zu Beginn von The Lady’s Guide to Petticoats and Piracy ist Felicity stolz darauf, nicht wie andere Frauen zu sein, denn ihrer Meinung nach ist beispielsweise eine Vorliebe für Schminke und schöne Kleider all das, was eine Frau eigentlich nicht sein sollte. Dass das ebenso falsch und unsinnig ist, wird im Buch immer wieder angesprochen und die Frage, ob es denn überhaupt einen „richtigen“ Weg gibt, eine Frau zu sein, steht permanent im Raum.

Not ridiculous, I correct myself. Softness can be an armor, even if it isn’t my armor.

Ein weiterer Punkt, durch den ich mich nur noch mehr in The Lady’s Guide to Petticoats and Piracy verliebt habe, ist Felicity selbst. Ich meine, ich weiß ja auch nicht, aber sie erschien mir einfach so wahnsinnig real und authentisch und die meiste Zeit über saß ich wirklich vor meinem Buch und konnte mit dem Grinsen nicht mehr aufhören. Ihr Charakter geht zwar in eine völlig andere Richtung als der ihres Bruders Monty, aber trotzdem (oder gerade deswegen?) mochte ich sie umso mehr. Sie ist dickköpfig, stur, steht für das ein, woran sie glaubt und weigert sich beharrlich, von ihrem Weg abzuweichen. Was mich aber am meisten an ihr fasziniert hat, ist diese Wut, die sie das ganze Buch hindurch in sich trägt und die immer mal wieder an die Oberfläche drängt. Wut darüber, wie sehr die Gesellschaft gegen sie zu sein scheint, wie wenig Perspektiven ihre Freundinnen und sie selbst haben und wie sie die meiste Zeit nur machtlos zusehen können.

The Lady's Guide to Petticoats and Piracy

“And you don’t want anyone with you?” Sim asks, raising her head. “No family?”
“I want friends,” I say. “ Good friends, that make up a different kind of family.”
“That sounds lonely.”
“It wouldn’t be lonely,” I reply. “I’d like to be on my own, but not alone.”
“That’s not the sort of lonely I meant.”
“Oh.” I’m not sure why I’m blushing, but I feel it swell in my cheeks. “Well, that sort of aloneness doesn’t feel lonely to me.”

Und dann wäre da noch das obige Zitat, das mich, man ahnt es bereits, ein weiteres Mal hat in Tränen ausbrechen lassen, weil es eine so unglaublich schöne Stelle war. Felicity ist asexuell / aromantisch und mal davon abgesehen, dass The Lady’s Guide to Petticoats and Piracy eines der wenigen Bücher ist, in denen diese Orientierung überhaupt repräsentiert ist, hat es einfach gepasst. Keine üblichen Klischees, keine Witze darüber, kein Einsetzen als Plot Device. Es war einfach nur eine Facette von Felicitys Charakter, die zwar wichtig für ihr Bild von sich selbst ist, sie als Person aber trotzdem nicht komplett definiert.

I do not need reasons to exist. I do not need to justify the space I take up in this world. Not to myself, or Platt, or some hospital governors, or a pirate ship full of men with cutlasses. I have as much claim to this world as anyone else. No one will offer Johanna and me permission to make this work ours, to take up her mother’s maps and follow their headings to the horizon’s edge, where the sea and the sky smoke together. First of our name, first of our kind.

Ich komme nicht drum herum, hier auch noch ein bisschen auf die vielen Nebencharaktere einzugehen – denn ernsthaft, die sind mindestens genauso grandios. Monty und Percy aus dem ersten Band haben wieder einige Gastauftritte und brachten mich durchgängig zum Lachen. Vor allem Monty ist eben einfach… Monty. Gerade die Beziehung zwischen ihm und Felicity war perfekt, denn obwohl sie sich regelmäßig in die Haare kriegen und keiner zugeben möchte, dass ihm der andere wichtig ist, ist gerade das das gesamte Buch hindurch offensichtlich. Mein Vorschlag daher: bitte mehr dieser genialen Beziehungen zwischen Geschwistern in Büchern, yay!

(…) I do not want simple. I do not want easy or small or uncomplicated. I want my life to be messy and ugly and wicked and wild, and I want to feel it all. All those things that women are made to believe they are strange for harbouring in their hearts. And I want to surround myself with those same strange, wicked women who throw themselves open to all the wondrous things this world has to offer.

Nachdem Felicity im ersten Band nur mit Percy und Monty unterwegs war, bekommt sie in The Lady’s Guide to Petticoats and Piracy ihr eigenes Trio. Und, ich wiederhole mich: holy shit! Johanna, Sim und Felicity sind gemeinsam einfach unbeschreiblich – ich will mehr über solche Freundschaften lesen, mehr über Frauen, die sich gegenseitig unterstützen, mehr darüber, wie wichtig gegenseitiges Vertrauen ist und wie viel man eigentlich gemeinsam schaffen kann. Obwohl Felicity natürlich die Protagonistin ist, bekommen auch Johanna und Sim ihren eigenen kleinen Handlungsstränge und müsste ich eine Metapher wählen, mit der ich mich am Ende dieser beschreiben würde, so wäre wohl ein völlig hysterischer und laut weinender Cheerleader am passendsten. Denn, auch hier wieder: die Character Arcs der beiden sind genauso fantastisch wie der von Felicity UND ES WAR GRANDIOS. Neben Sexismus und Misogynie spielen auch Rassismus und Kolonialismus eine große Rolle und ohne jetzt zu viel zu spoilern, finden sich Johanna und Sim hier des Öfteren auf unterschiedlichen Seiten wieder und der Konflikt wird so direkt angesprochen.

Everyone has heard stories of women like us—cautionary tales, morality plays, warnings of what will befall you if you are a girl too wild for the world, a girl who asks too many questions or wants too much. If you set off into the world alone. Everyone has heard stories of women like us, and now we will make more of them.

Müsste ich The Lady’s Guide to Petticoats and Piracy in einem Ausdruck beschreiben, dann würde mir da vor allem anderen und in Ermangelung eines passenden deutschen Wortes, empowering einfallen. Denn egal, wie sehr Felicity und den anderen Steine in den Weg geworfen werden, egal, wie wenig Felicity am Anfang von anderen Frauen hält und egal, wie sehr Sim und Johanna mit den ihnen zugedachten Rollen kämpfen – am Ende geht es darum, was Freundschaft möglich macht und dass nicht das eigene Geschlecht bestimmen sollte, was man im Leben erreichen kann. Es gibt keinen richtigen Weg, eine Frau zu sein – egal ob Ärztin, Bäckerin, Piratin, Hausfrau oder Forscherin, jeder ist gleich viel wert und jeder hat das Recht dazu, seine eigenen Träume zu verwirklichen. Denn, wie von Felicity, Sim und Johanna immer wieder betont:

We deserve to be here.

As she raises the needle, I look between her and Johanna. In the company of women like this – sharp-edged as raw diamonds but with soft hands and hearts, not strong in spite of anything but powerful because of everything – I feel invincible. Every chink and rut and battering wind has made us tough and brave and impossible to strike down. We are mountains – or perhaps temples, with foundations that could outlast time itself.

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2 thoughts on “The Lady’s Guide to Petticoats and Piracy – Review

  1. Danke für das tolle Review!
    Liebe Grüße!

    Posted on 12/10/2018 at 10:54
  2. Ach, Mara.

    Ich hab grad das Buch beendet und dann gleich deine Rezension hinterhergeschoben (ich wollte während des Lebens einfach, dass alle Eindrücke meine eigenen sind), aber deine Rezension ist so perfekt, dass sie mir gleich mal die Tränen in die Augen getrieben hat, hahaha. :D

    Ich liebe, liebe, liebe es auch, wie Mackenzi Lee mit dem Nachwort einfach noch mal eins draufgesetzt und all diesen „Nicht noch ein Buch mit einer Frau, die Ärztin werden will“-Stimmen den Wind aus den Segeln genommen hat. SO GUT.

    Und Johanna ist zu einem meiner liebsten Charaktere überhaupt geworden, was ich gar nicht erwartet habe, aber MEINE GÜTE. Sie ist so sanftmütig und ungestüm und leidenschaftlich und ich vergöttere sie und ihre Liebe zu Max einfach :D Obwohl natürlich nichts über Felicitys Perspektive geht – es ist so schön, dass sie ihr eigenes Spotlight kriegt, nicht eben zuletzt wegen dieser so wertvollen Repräsentation von ihrer Queerness und dass gezeigt wurde, dass sie (eben mit dieser internalisierten Mysoginie), wie Montys Ignoranz in TGGTVAV, auch ihre eigene Lernkurve besitzt.

    HACH.

    Posted on 21/10/2018 at 13:56