Cross- und Transmedialität in Videospielen am Beispiel des Star Wars-Franchises
Rogue One: A Star Wars Story..Death Star..Ph: Film Frame..©Lucasfilm LFL

Als 1977 Episode IV – Eine neue Hoffnung in die amerikanischen Kinos kam und der inzwischen weltweit bekannte Vorspann zum ersten Mal über die Leinwand flackerte, markierte das den Beginn einer der erfolgreichsten Filmreihen aller Zeiten. Die Saga handelt vom Kampf der Hellen gegen die Dunkle Seite der Macht, von den Jedi-Rittern und den Sith-Lords, von Helden und Schurken, von Raumschlachten und fremden Planeten. Darth Vaders Enthüllung „Luke, ich bin dein Vater“ aus Episode V – Das Imperium schlägt zurück ist eines der bekanntesten Zitate der Filmgeschichte, auch wenn der genaue Wortlaut im Film eigentlich ein anderer ist. So verwundert es nicht, dass es inzwischen zahlreiche Fernsehserien, Bücher, Comics und Videospiele aus dem Star Wars-Universum gibt.
Vor allem im Bereich Letzterer finden sich viele erfolgreiche Titel wie beispielsweise Star Wars Battlefront, Knights of the Old Republic oder The Force Unleashed. Im Bezug auf ihre Spielmechaniken unterscheiden sie sich nicht allzu sehr von anderen Spielen ihres Genres; Star Wars Battlefront beispielsweise ist im Grunde nur ein ins Weltall verlagertes Battlefield und basiert auf den gleichen Prinzipien wie alle anderen Shooter.
Woran genau liegt es also, dass genau diese Spiele so erfolgreich sind? An der zuvor bereits erwähnten Einbettung in einen größeren Zusammenhang, was sich auch als cross- oder transmediales Storytelling bezeichnen lässt. Diese Art des Geschichtenerzählens findet nicht nur in einem bestimmten Medium, sondern plattformübergreifend statt. Dabei werden die spezifischen Stärken bestimmter Kanäle genutzt, um alle wichtigen Aspekte einer Geschichte auf die bestmögliche Art und Weise darzustellen.

„A transmedia story unfolds across mutliple platforms, with each new text making a distinct and valuable contribution to the whole. In the ideal form of transmedia storytelling each medium does what it does best – so that a story might be introduced in a film, expanded through television, novels and comics […].” (Jenkins, 2006, S.95-96)

Es geht bei dieser Art des Erzählens vor allem darum, aus vielen kleinen Teilen eine große Geschichte zu erschaffen, die auf mehr als einem Medium funktioniert und verschiedene Aspekte eines Gesamtthemas beleuchtet. Praktisch gesprochen haben wir also das Universum von Star Wars, das wir durch verschiedene Bücher, Filme und eben auch Videospiele in all seinen Facetten erleben können.

Alle Fäden in der Hand hält heute der Konzern Disney, der für die Koordination der verschiedenen Veröffentlichungen verantwortlich ist und darauf achtet, ein insgesamt kohärentes Universum zu erschaffen, dessen einzelne Teile sich ergänzen und nicht widersprechen. Es gibt jedoch auch stetig wiederkehrende Komponenten wie das typische Star Wars-Theme, bekannte Charaktere, das Aussehen von Raumschiffen, Planeten und Spezies und die ganz eigenen Regeln der erschaffenen Welt.

So führt beispielsweise Episode II eine Armee von Klonkriegern ein, die die in Episode I als Bedrohung aufgebauten Separatisten und die im Hintergrund agierenden Siths bekämpfen soll. Die Fernsehserie Star Wars: The Clone Wars (2008-2014) führt diesen Konflikt fort und baut ihn weiter aus. Sie füllt damit die Lücke zwischen Episode II und Episode III; zeigt, was die bereits bekannten Charaktere in dieser Zeit erlebt haben. Aber auch neue Figuren werden in der Serie eingeführt, so etwa die Jedi-Ritterin Ahsoka Tano und die ehemalige Sith Asajj Ventress. Das Schicksal der beiden nach dem Ende der Serie wird wiederum in Büchern verarbeitet und fügt so ein weiteres kleines Teil zum Star Wars-Universum hinzu. Der große Zusammenhang wird dabei jedoch nie aus den Augen verloren; alle kleinen Geschichten bauen aufeinander auf oder nehmen auf in anderen Kanälen veröffentlichte Aspekte Bezug.

 

Cross- und Transmedialität in Videospielen am Beispiel des Star Wars-Franchises
Star Wars: The Last Jedi..Kylo Ren (Adam Driver)..Photo: Lucasfilm Ltd. ..© 2017 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.

Sehr schön zeigen lässt sich dies auch am Beispiel von Star Wars: Knights of the Old Republic. Die Handlung des Spiels findet mehrere tausend Jahre vor den Filmen statt und hat im Prinzip nichts mit diesen zu tun hat. Zwar greift auch sie den für Star Wars typischen Konflikt der Dunklen gegen die Helle Seite der Macht auf, fügt aber eine neue Ebene hinzu und macht deswegen etwas Eigenes und Neues daraus.
In den früheren Spielen der Battlefront-Reihe von 2004 – 2009 liegt der Fokus schlicht auf den bekannten Schauplätzen und Fraktionen der Filme, die Handlung des Singleplayers ist meist eher nebensächlich. Dies ist zwar auch bei der Neuauflage Battlefront I (2015) der Fall, jedoch hängt das Spiel gleichzeitig mit dem Buch Battlefront: Twilight Company von Alexander Freed zusammen. Darin begleitet der Leser eine Kompanie der Rebellen bei ihrem Kampf gegen das Imperium und erlebt sowohl ihre Siege, als auch ihre Niederlagen mit. Im Videospiel kommen die einzelnen Buchcharaktere zwar nicht explizit vor, der Spieler verknüpft die Einheiten der Rebellen trotzdem mit ihnen. Die namenlosen Soldaten bekommen in der eigenen Vorstellung ein Gesicht, der Kampf gegen das Imperium wird greifbarer und das Videospiel ein Stückchen tiefgründiger. Anders als in den Filmen werden nicht die großen Helden wie Han Solo oder Luke Skywalker zu Protagonisten, sondern einfache Soldaten, die eine weitere Perspektive zur Handlung von Star Wars hinzufügen.

Das im November 2017 erschienene Star Wars Battlefront II geht noch einen Schritt weiter. Es beinhaltet erneut eine spielbare Kampagne, jedoch geht es dieses Mal verstärkt um einzelne Charaktere, genauer um die Mitglieder des imperialen Inferno Squads. Im Mittelpunkt steht die Anführerin des Trupps, Iden Versio, die auch Protagonistin im Buch Battlefront II: Inferno Squad von Christie Golden ist. In diesem wird die Entstehungsgeschichte der Gruppe aufgegriffen, die einzelnen Charaktere vorgestellt und uns als Spielern vertraut gemacht; im Videospiel sind sie dann bereits bekannt und etabliert. Wichtig ist aber trotzdem, dass das Spiel auch für alle funktioniert, die das Buch nicht gelesen haben – es ist eine Ergänzung, aber kein Muss.

 

© 2017 & TM Lucasfilm Ltd.

Was heißt das nun alles?

Es sollte deutlich geworden sein, dass cross- und transmediales Storytelling eine essentielle Komponente des Erfolgs der Videospiele und eigentlich auch des gesamten Star Wars-Franchises ist. Die Spiele, Bücher und Serien sind im Universum von Star Wars angesiedelt und führen die Handlung der Hauptfilme in unterschiedlicher Art und Weise weiter. Mal wird diese aus einer anderen Perspektive erzählt, mal werden bereits bekannte Teile weiter ausgebaut und mit einem noch größeren Grad an Detailliertheit dargestellt. Aber nicht nur auf die Filme wird Bezug genommen; vor allem die Neuauflagen der Videospiele hängen eng mit veröffentlichten Büchern zusammen. In diesen werden Charaktere und Institutionen aus dem Spiel vorgestellt, es wird eine Grundlage gebildet, die das Spiel ergänzt und eine weitere Ebene hinzufügt. Das gesamte Universum von Star Wars besteht aus unzähligen kleinen Teilen in verschiedenen Kanälen, die sich in ihrer Gesamtheit zu einer einzigen großen Geschichte zusammenfügen.

Und genau hier liegt die besondere Faszination. Star Wars Battlefront beispielsweise kann einfach nur ein Shooter sein – oder aber Teil einer kompletten Welt. Wir als Spieler entscheiden selbst, wie weit und auf welche Weise wir in diese eintauchen möchten. Wir können selbst wählen, welche Filme und Serien wir sehen, welche Bücher und Comics wir lesen oder welche Videospiele wir konsumieren. Lassen wir uns ganz auf Star Wars ein, lernen wir mit jedem neuen Teilchen etwas dazu, erweitern unser Wissen über diese erschaffene Welt und haben vor allem in den Videospielen die Möglichkeit, selbst ein Teil davon zu sein.

 

Cross- und Transmedialität in Videospielen am Beispiel des Star Wars-Franchises
Star Wars: The Last Jedi..Luke Skywalker getting lightsaber from Rey..Photo: Lucasfilm Ltd. ..© 2017 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.

 

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3 thoughts on “Cross- und Transmedialität in Videospielen am Beispiel des Star Wars-Franchises

  1. Noch besser wäre es gewesen, den Text am May 4th zu veröffentlichen. :D Schön, auch mal so eine ausführliches Essay hier zu lesen! Da macht man sich sonst ja gar nicht so die Gedanken drüber. :)

    Posted on 15/05/2018 at 13:07
    1. Ja, das stimmt. Hätte ich eigentlich dran denken müssen, herrje! :D
      Aber danke, freut mich, dass du ihn magst! :)

      Posted on 16/05/2018 at 09:59
  2. Toller Artikel! Über Cross- und Transmedialität habe ich mir schon so oft Gedanken gemacht und wollte selbst des öfteren schon einen Artikel darüber verfassen. Mein Franchise wäre Halo gewesen, wo es auch Videospiele, Romane, Comics, Animes und TV Serien gibt. Dein Beispiel über Star Wars ist sehr gut dargelegt! Super!

    Posted on 22/07/2018 at 16:08