Wolf Moon River Rezension Rainer M Schröder

Inhalt: Patrick wusste, dass es die Hölle wird – der Trip in die kanadische Wildnis mit dem Lover seiner Mutter und dessen Tochter Olivia. Doch wie nah er Himmel oder Hölle tatsächlich kommen würde, konnte der Siebzehnjährige nicht ahnen. Nachdem das Flugzeug abgestürzt, der Pilot tot und die Mutter verletzt ist, bleibt Patrick nichts anderes übrig, als sich mit der verhassten Olivia zu Fuß durch die Wildnis zu schlagen, um Hilfe zu holen. Doch der Weg in die Zivilisation ist weiter und das Wetter katastrophaler als gedacht. Wie gut, dass sie kurz vor dem Aufgeben auf Jack treffen, der mit dem Kanu auf den Stromschnellen des Wolf Moon Rivers gekentert ist. Doch warum hat der gehetzt wirkende Typ eine Schusswunde? Warum spricht er im Schlaf von einer Leiche? Und wird er wirklich verfolgt? Als Patrick merkt, dass sie auf einen Mörder gesetzt haben, ist es so gut wie zu spät …– via randomhouse.de

Tja, was soll ich sagen? Das Buch klang klasse und ich habe mich so darauf gefreut, endlich mal wieder einen spannenden und gut geschriebenen Thriller zu lesen. Der Klappentext versprach eine fesselnde Geschichte – die mich in der Realität dann aber leider nicht wirklich überzeugen konnte. Aber fangen wir mit den positiven Aspekten von „Wolf Moon River“ an! Der Schreibstil von Autor Rainer M. Schröder hat mir gut gefallen, da er zwar viele Informationen liefert, aber trotzdem ohne große Schnörkel auskommt. So ist das Buch flüssig und in einem Rutsch zu lesen. Gerade bei diesem Genre mag ich so etwas sehr gerne, da man sich nicht unnötig damit aufhalten muss, verschachtelte Textpassagen zu entwirren und sich voll und ganz auf die Story konzentrieren kann.

Wolf Moon River Rezension Rainer M Schröder

Diese ist grundsätzlich auch interessant und bietet viel Potential: Patrick und Olivia stürzen mit dem Flugzeug über der kanadischen Wildnis ab und müssen nun irgendwie versuchen, wieder zurück in die Zivilisation zu gelangen. Zur gleichen Zeit ist Jack auf der Flucht vor seinen Freunden Scotty und Frank, da der Kanutrip der drei in einem tödlichen Desaster geendet hat. Über allem schwebt die Frage: Wer schafft es als erster aus den Wäldern heraus? Und zu welchem Preis? Schröder schafft es auch größtenteils, die Spannung aufrechtzuerhalten und der Geschichte einige unerwartete Wendungen zu geben. Allerdings ahnt man schon ab der Mitte des Buches, worauf alles hinauslaufen wird und was genau denn nun zwischen Jack, Frank und Scotty passiert ist. Olivia und Patrick waren für diesen Handlungsstrang eigentlich völlig unwichtig und es wäre auch nicht schlimm gewesen, sie komplett wegzulassen. Die Auflösung am Ende wurde dann auch zu schnell abgehandelt, sodass immer noch einige Fragen offenbleiben.

Mein größter Kritikpunkt sind allerdings die Charaktere. Frank, Scotty und Jack fand ich noch relativ gut gelungen, auch wenn sie keine wirklichen Sympathieträger waren. Trotzdem waren ihre Handlungen nachvollziehbar und sie waren in sich stimmig. Bei Olivia wusste ich anfangs nicht so ganz, was ich von ihr halten sollte und brauchte einige Zeit, bis ich mit ihr warm wurde. Sie ist nicht auf den Mund gefallen und mitunter sehr schnippisch, was ich aber als sehr positiv empfinde. Zu Beginn des Buches wird einige Male ihre Angst vor Kalorien erwähnt und wie sie sich darum bemüht, nicht zu viel zu essen – das fand ich ziemlich fehl am Platz, da die „Erklärung“ dazu im Buch sehr spät kommt und auch eher dürftig ist. Nichtsdestotrotz war sie mein liebster Charakter in „Wolf Moon River“ und vor allem gegen Ende wollte ich einfach nur, dass sie es aus der Wildnis herausschafft.

Wolf Moon River Rezension Rainer M Schröder

Und dann wäre da Patrick – der wahrscheinlich grauenvollste Charakter aller Zeiten. Mir ist noch immer völlig schleierhaft, was für eine Funktion er im Buch haben soll und wie um alles in der Welt man sich so eine Figur ausdenken kann. Patrick soll anscheinend 15 Jahre alt sein, verhält sich aber wie ein kleines Kind. Er lehnt schon im Prinzip alles ab, was seine Mutter und Olivia sagen und stellt sich bei allem wie der größte Vollidiot an. Eigentlich finde ich bei jeder Buchfigur mindestens einen Charakterzug der mir gefällt, aber bei ihm geht das einfach nicht. Schon alleine die grausigen Sprüche, die er gefühlt alle zwei Minuten loslässt sind schrecklich – „Das sind keine Macken, das sind Special Effects“ und „Ich bin nicht faul, ich bin nur im reduzierten Energieverbrauch“ dürften wohl alles sagen. Aber damit nicht genug, nein, Patrick ist auch noch der gemeinste und eingebildetste Buchcharakter, über den ich je gelesen habe. Olivia bezeichnet er den Großteil der Geschichte über als „Provinzschnepfe“ und „Molly“ und hat nichts Besseres zu tun, als abfällig über ihre Figur zu denken. Sein Verhalten ändert sich zwar gegen Ende des Buches, aber das macht es auch nicht unbedingt besser, da man es ihm überhaupt nicht abnimmt.

Fazit:
Ich stehe „Wolf Moon River“ sehr zwiegespalten gegenüber. Auf der einen Seite bietet es eine spannende Story, die mich fesseln konnte, genau nach meinem Geschmack war und mich gut unterhalten hat. Auf der anderen Seite ist der Protagonist Patrick leider eine der nervigsten, eingebildetsten und unsympathischsten Buchfiguren, die mir je untergekommen sind! Ich konnte keinen seiner Gedankengänge nachvollziehen, was das Lesen des Buches trotz der guten Geschichte mitunter sehr anstrengend gemacht hat!

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5 thoughts on “Book review: Wolf Moon River

  1. Irgendwie reizt es mich gerade jetzt dieses Buch zu lesen. Aber schade, dass Du so enttäuscht warst.

    Neri

    Posted on 19/09/2016 at 18:38
  2. Ja, das stimmt. :D (Okay, Queen of Shadows außen vorne gelassen. Da gibt’s nur tolle männliche Protagonisten.) Die Worte, die du in der Rezension gewählt hast, treffen es genau auf den Punkt – Patrick ist einfach… anstrengend trifft es nicht einmal mehr.
    Mit meiner Meinung bezüglich Elanus bin ich relativ alleine – was ich bisher so an Rezensionen gesehen habe, war wesentlich positiver. Aber ich kann einfach keinen Protagonisten mögen, der in seiner Freizeit Leute stalkt. Das ist zu schräg!
    Schade, dass du Layers auch nicht so gut fandest. :/ Da bin ich gerade froh, dass ich es mir nicht gekauft habe… vielleicht sollte ich einfach Saeculum noch mal lesen, um mein Bedürfnis nach einem guten Poznanski-Buch zu befriedigen. :D
    Hab einen schönen Abend :)

    Posted on 19/09/2016 at 19:51
  3. Erebos kenne (und liebe) ich schon :) Die Verratenen habe ich immer aufgeschoben, weil ich Angst hatte, dass ich mit einer angefangenen Trilogie dasitze, wenn es mir nicht gefällt. Aber wenn sie dir gefallen haben, muss ich es vielleicht doch noch einmal versuchen! :)

    Ach, Mara… :D Ich würde dir SO gerne sagen, dass du einfach weiterlesen sollst, aber ich würde mich schlecht fühlen, wenn es dir dann immer noch nicht gefällt.
    Ich habe mittlerweile allerdings von vielen Leuten gehört, dass es ihnen ab dem zweiten Teil (gerade das, was dort am Ende passiert) wesentlich besser gefällt. Da ich allerdings alle Teile liebe, kann ich das nur bedingt nachvollziehen. :D Vielleicht kriegst du das Buch ja mal super günstig oder kannst es dir ausleihen oder so? Keine Ahnung. Ich will dich da zu nichts überreden. :D

    Posted on 20/09/2016 at 14:13
  4. Der Klappentext klingt wirklich spannend. Wenn es aber ab Mitte des Buches alles vorsehbar ist, dann ist es leider kein gutes Buch in meinen Augen. Ich mag wenn es bis am Ende spannend bleibt, und mit der eigenen Ahnung total daneben liegt :)
    LG, Diana

    Posted on 21/09/2016 at 19:46
  5. Ich habe auch schon sehr viel über das Buch gelesen und bin schon ganz aufgeregt es zu lesen, so wie du. Ich finde deine Kritik sehr interessant, und bin so gespannt.
    Schaue doch mal vorbei, ich mache gerade eine Weltreise, wir waren nun 7 Monate in SÜdamerika und jetzt heißt es ab nach Argentinien unser letztes Land hier. Ich freue mich über Besuch, ganz viel Liebe, Laura <3

    Posted on 22/09/2016 at 00:09