Rezension: Wonder Woman: Warbringer - Rassismus, Feminismus, Diversity

Inhalt: Princess Diana longs to prove herself to her legendary warrior sisters. But when the opportunity finally comes, she throws away her chance at glory and breaks Amazon law—risking exile—to save a mortal. Diana will soon learn that she has rescued no ordinary girl, and that with this single brave act, she may have doomed the world.
Alia Keralis just wanted to escape her overprotective brother with a semester at sea. She doesn’t know she is being hunted by people who think her very existence could spark a world war. When a bomb detonates aboard her ship, Alia is rescued by a mysterious girl of extraordinary strength and forced to confront a horrible truth: Alia is a Warbringer—a direct descendant of the infamous Helen of Troy, fated to bring about an age of bloodshed and misery.

“I am done being careful. I am done being quiet. Let them see me angry.
Let them hear me wail at the top of my lungs.”

Dass ich Leigh Bardugo vergöttere, dürftet ihr inzwischen wahrscheinlich mitbekommen haben. Ihre Grischa-Reihe habe ich schon unzählige Male gelesen, denn die Geschichte ist einfach unglaublich schön und berührend. Ebenso Six of Crows und Crooked Kingdom – vor allem Letzteres hat mein Herz beim Lesen regelmäßig in tausend Stücke zerfetzt und mich am Ende heulend und komplett fertig mit der Welt zurückgelassen. Klar also, dass ich auch Wonder Woman: Warbringer unbedingt lesen musste. Den im Juni erschienenen Film Wonder Woman fand ich klasse, denn zum einen hat Gal Gadot Diana einfach grandios gespielt und zum anderen hatte der Film alles, was ich in letzter Zeit bei anderen Superheldenfilmen vermisst habe. Sympathische Charaktere, eine weibliche Protagonistin und wenig überraschend mal wieder ein riesiger Heulanfall am Ende – ich war so was von überzeugt!

“I miss a good cup of tea, dancing, boys- definitely not rain.“
„We dance,“ Diana protested.
Maeve had just laughed. „You dance differently when you know you won’t live forever.”

Wonder Woman: Warbringer löst sich vom Film und erzählt eine eigenständige Geschichte. Die Amazonen haben hier durchaus Kontakt zur Außenwelt und entsenden regelmäßig kleine Spähtrupps; sie wissen also vom technischen Fortschritt und den wichtigsten historischen Ereignissen. So ist auch Diana bedeutend weniger hilflos als ihr filmisches Vorbild und es gelingt ihr um einiges besser, sich in unserer modernen Welt zurechtzufinden. Diese Herangehensweise fand ich erfrischend, da Bardugo so einen sehr interessanten Kontrast gebildet hat – Diana kennt die materiellen Gegebenheiten, ist allerdings trotzdem durch viele Denkmuster und soziale Gefüge verwirrt. So hat sie zwar kein Problem damit, die Existenz von Flugzeugen und Autos zu akzeptieren, versteht anfangs jedoch beispielsweise nicht, was Rassismus ist und weshalb Frauen in manchen Situationen anders behandelt werden als Männer. Und genau diese Perspektive mochte ich so unglaublich gerne: Diana zeigt, wie schrecklich sinnfrei diese Dinge eigentlich sind und dass es dafür absolut keine Legitimation gibt.

“When had she stopped being a child? The first time a guy whistled at her out of a car window when she was walking to school? The moment she started wondering how she looked when she ran, what jiggled or bounced, instead of the pace she was setting? The first time she’d kept from raising her hand because she didn’t want to seem too smart or too eager? No one had sung? No one had told her how much she would lose until the time for grieving was long over.”

Die zweite große Stärke von Wonder Woman: Warbringer sind die von Leigh Bardugo erschaffenen Charaktere. Natürlich ist da erst einmal Diana; wie bereits gesagt ist sie in ihren Ansichten und Gedanken grandios. Am Anfang des Buches zweifelt sie an sich und will sich gegenüber den anderen Amazonen unbedingt beweisen. Ich mochte ihr Bedürfnis, größer zu sein als sie es momentan ist, ihren Hunger nach Anerkennung, ihre Selbstzweifel. Denn genau das macht eine starke Protagonistin für mich aus – sie wird mit Problemen konfrontiert, sie scheitert. Und steht wieder auf, macht weiter und besiegt damit ihre Angst. Auch Alia, die zweite Protagonistin, habe ich schnell ins Herz geschlossen, denn man kann einfach nicht anders, als sie zu lieben. Wie Diana kämpft sie mit Zweifeln an sich selbst und all den Einschränkungen, die sowohl mit dem Reichtum ihrer Familie als auch teilweise mit ihrer dunklen Hautfarbe einhergehen.

“You can’t live in fear. You make things happen or they happen to you.”

Und hier haben wir etwas, das es in Büchern viel zu selten gibt – Freundschaft. Im Laufe von Wonder Woman: Warbringer werden Diana und Alia zu echten Freunden, die alles füreinander tun und sich nie im Stich lassen würden. Kein Zickenkrieg, keine unnötigen Streitereien um einen Love Interest. Stattdessen schafft es Leigh Bardugo, die Beziehung der beiden so wunderschön und herzerwärmend zu vermitteln, dass ich zwischendurch wirklich hätte heulen können. Mal wieder. Auch die zwei kleinen Romanzen waren angenehm unaufdringlich und nachvollziehbar, auch wenn eine davon nicht unbedingt hätte sein müssen. Aufgrund möglicher Spoiler will ich hier aber nicht näher darauf eingehen! Und zum Schluss noch hervorzuheben ist, dass das Buch auch in Sachen Diversity klasse ist.

“Sister in battle,” murmured Diana, “I am shield and blade to you.”
“And friend.”
“And always your friend.”

Fazit:
Tja, was soll ich sagen? Wonder Woman: Warbringer hat mich wenig überraschend restlos überzeugt, was vor allem an den vielen wichtigen Themen liegt, die das Buch anspricht. Rassismus, Feminismus, Diversity und weibliche Freundschaft – wie hätte ich es da denn bitte nicht lieben können? Dazu kommen grandiose Charaktere, eine packende Story und viel Hintergrundwissen über die Amazonen und die griechische Mythologie. Falls ihr das Buch noch nicht gelesen habt, macht es. Bitte.

“Human courage was different from Amazon bravery. She saw that now. For all the suspicion and derision she’d heard from her mother and her sisters about the mortal world, Diana couldn’t help but admire the people with whom she traveled. Their lives were violent, precarious, fragile, but they fought for them anyway, and held to the hope that their brief stay on this earth might count for something. That faith was worth preserving.”

Rezension: Wonder Woman: Warbringer - Rassismus, Feminismus, Diversity

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5 thoughts on “Rezension: Wonder Woman: Warbringer – Rassismus, Feminismus, Diversity

  1. Okay, okay, ich geh schon und hol mir das Buch! :D Ernsthaft, ich hab es mir tatsächlich neulich angeschaut und dann doch nicht gekauft, weil ich vom Film nicht sonderlich begeistert war. Das muss ich gestehen, ich bin allgemein kein Fan von griechischer Mythologie und dieses ganze Ares-Zeugs ist mir irgendwann auf die Nerven gefallen :D Aber deine Rezension hat mich wirklich überzeugt – ich glaub, ich hol es mir doch noch :D

    Beim Minimalismus machen ja wirklich die kleinsten Dinge den größten Unterschied, das finde ich soo faszinierend! Und Nintendogs war bei mir auch nur der Auslöser, ich war dann am liebsten mit Animal Crossing (das spiele ich jetzt noch gerne!) und allem, wo Super Mario draufstand, beschäftigt. Und jetzt bin ich schon seit Monaten am Überlegen, ob ich mir die Switch leiste oder nicht.. :D

    Dir auf alle Fälle viel Spaß im Praktikum! Du setzt also auch ein Semester an der Uni aus, oder?

    Liebe Grüße!
    Marianne

    Posted on 07/10/2017 at 11:10
  2. Ich lese ja, wie ich schon öfter sagte, andere Genres. Aber wie immer finde ich Deine Rezension super ausführlich und sehr informativ und die Gestaltung des Buches mag ich auch sehr.

    Neri, Leselaunen

    Posted on 07/10/2017 at 18:23
  3. Toll, dass dir „Warbringer“ so gefallen hat – Wonder Woman erlebt ja grade so ein bisschen etwas wie ein Auferstehen, das finde ich richtig, richtig toll. Von Leigh Bardugo habe ich bisher tatsächlich noch nichts gelesen, aber den Wonder Woman-Roman habe ich mir grade bestellt und „Six of Crows“ liegt in der deutschen Ausgabe schon auf meinem Neugier. Und ich kann beide Bücher kaum noch erwarten!

    Gerade diese „leise“ feministische Art, die diese wichtigen Themen unterbringt, ohne sie einem ins Gesicht zu schreien und vor allem eine richtig tolle Freundschaft – beides begeistert auch mich. Freundschaften kommen oft einfach viel zu kurz in Romanen.

    Eine tolle Rezension, jetzt habe ich noch viel mehr Lust aufs Lesen!

    Posted on 08/10/2017 at 14:28
  4. Ich bin ja eigentlich kein großer Fan von Superhelden, aber Leigh Bardugo ist einfach grandios und deswegen werde ich mir demnächst wohl „Wonder Woman“ zu Gemüte führen. Deine Rezension macht mich neugierig! :)

    Posted on 08/10/2017 at 14:36
  5. Das Buch habe ich nun schon so oft gesehen, doch leider noch nie in einer der örtlichen Bibliotheken. Die Hoffnung, dass es bald auftaucht geht aber nicht weg, besonders dank einem Post. Die Art und Weise wie Feminismus und Diversity thematisiert werden klingt sehr interessant, beide Themen sind mir beim Lesen und Leben wichtig!
    xx

    Posted on 09/10/2017 at 20:42